Secret Discovery
Bochum, Zwischenfall 28.08.2004

Irgendwie ist es ja komisch, seit ca. 10 Jahren fahre ich ohne größere Erwartungen zu den verschiedensten Konzerten, denn irgendwie oder irgendwo hat man die jeweilige Band schon besser gesehen. Nun hatte das Bochumer Zwischenfall die glorreiche Idee ihre Flyer damit zu bestücken, dass heuer ausschließlich Songs der ersten drei CD's gespielt werden, während die Homepage (nachträglich) von einem Jubiläumskonzert sprach (offiziell zum 15ten, inoffizell zum 17ten).

Nun gut, man bereitete sich also auf das Konzert vor, die aktuelle CD erst mal verstecken und die ersten drei Alben herausgekramt, als Sahnehäubchen dann kurz vor Beginn der Fahrt noch schnell die LP "Way to Salvation" gehört. LP's sind diejenigen Dinger mit Loch in der Mitte, welche nur die Hälfte eines Albums beherbergen. Ältere wissen natürlich, man kann das Ding auch umdrehen :-)

Allesamt klasse Songs, die Erwartungen schraubten sich im Unterbewusstsein in unermessliche Höhen. Der Beginn des Konzertes (Intro: Darkline Theme von der gleichnamigen CD ließen dann vollends Freuds Erklärungen von Ich und Überich durcheinander bringen. Das Fall wurde dunkel (was natürlich nicht schwierig war, da die Bühne während des gesamten Konzertes eh nur von drei, vier Strahlern beleuchtet wurde. Das Intro ging über in "Another Life". Der mittlerweile warme und hochmelodische Gesang von Sänger Kai bekam noch mal den rauen Unterton und man befand sich plötzlich im perfekten Dark Rock der frühen 90er. Ein Schritt nach vorne ging man mit dem düsteren "Despair" (von "Into the void"/ zweites Album auf Heartache Transplant), etwas druckvoller "Flowers in dust". Und dann kam es zum ersten Song der oben erwähnten ersten LP (vielen nur noch aus eBay Auktionen bekannt), "Down from hell", ein Song der geschickt zwischen Fields und Joy Division pendelt und die ersten offenen Münder im Publikum hinterliess. Dass zu diesem Zeitpunkt der Sound alles andere als den momentanen Secret Standard erreichte, war nicht nur egal, sondern es verstärkte noch das Gefühl eine Zeitreise erfolgreich vollzogen zu haben. Etwas stiefmütterlich behandelt wurde die "wasted dream" (von '94), welche nur mit "just for Living" gewürdigt wurde. Nach ca. 45 Minuten und "execution day" kam es allerdings zu einem Break im Konzert. Das druckvolle "Billy Idol" Cover, "Rebell Yell" beschloss den rein alten Teil und öffnete zunächst die Goth Metal Phase der Band mit "Colour my Life" und ging nahtlos über in den tiefmelodiösen neuen Teil, dessen Eröffnung das elegische "more than i love you" war. Der bemalte muskulöse Oberkörper von Sänger Kai bot eine eigenartige Aktionskunst, perfekt wäre sie gewesen, wenn aufgrund des Schweißes aus dem anfänglichen Bildnis das Secret Zeichen entstanden wäre. Nun gut, das prangte im Hintergrund und mit "Another Life" hatte man dann noch mal die Muße, sich den alten Zeiten zu widmen. Natürlich verzichteten die Bochumer bei ihrem Heimspiel nicht auf ihre Lieblingsbeschäftigung (neben eigenen Songs schreiben natürlich), dem Covern. Dass man aus Pop Püppchen Musik auch etwas machen kann, bewies man mit "turn to you". Teenie Pop im Secret Gewand wurde gefolgt vom "falschen" (na, wer weiß, was ich damit meine?) deutschen Song "sieh nicht zurück". Das kurze Intro weist den Weg zur Antwort, auch wenn Kai mir nie zustimmen würde (siehe Interviews). Gefolgt wurde dieser Song von "Mysteryland", ein Song, der erstmals in die neue Richtung zeigte, welche auf dem aktuellen Album ("Pray") vervollkommnet wurde. Den Abschluß des Konzertes gab es dann mit "Pray" und dem mittlerweile zur Hymne gewordenen End-Song "Hello Goodbye".
45 Minuten Offenbarung und 45 Minuten typisch Secret mit Charakterzügen der Vergangenheit wurden bis hier her geboten. Die kurze Pause wurde genutzt, um noch schnell im Hirn zu blättern, welcher Song könnte kommen. Und hier beging die Band den zweiten Fehler, sie beendeten das Konzert mit zwei Cover Versionen, "Slave" und "with our without you", der Refrain vom Letzteren summte ein Teil des Auditoriums bereits bei "Another Exit" mit (gemeint ist natürlich der textlose Teil). Kommen wir zu Fehler Nr. 1. Dafür, dass das Zwischenfall mit einem Banner warb, welches ein Konzert ankündigte, welches so nicht geplant war, dafür kann die Band nichts. Aber warum musste man mit den ersten 45 Minuten das Publikum in dem Glauben lassen, heute gibt es die komplette Ladung an alten Sachen? Eine Mischung aus alt und neu über die gesamten zwei Stunden und alles wäre perfekt gewesen. So wurde es ein fast chronologischer Streifzug durch die Geschichte von Secret, angefangen beim Dark Rock über Goth Metal, bis hin zum heutigen Dark Pop.

Unverständlich die geringe Zuschauerzahl von unter 200 Besuchern. Was ist das für eine Szene, welche nach dem Konzert Eintritt zahlt für die Party, aber keine 10 Euro übrig hat, um eine der deutschen Kult Bands Live zu sehen? Naja, evtl. nächstes Mal für 40 Euro, wenn Secret den Support für irgendwelche MTVIVA gesponserten Konzerte gibt. Kleiner Hinweis zum Schluß, es ist ein Gerücht, dass Secret Discovery die Spice Girls Reunion Tour durch England supportet.

Letzte Worte: Die ersten 45 Minuten hab ich genossen und mich gefühlt wie ein Kind, welches ein Wochenende bei Toys'r'us eingesperrt wurde.

Setlist:
Intro: Darkline-Theme
Another Life
Despair
Flower in dust
Down from hell
Western world
Just for Living
Execution day
Rebell Yell (Cover: Billy Idol)
Colour my Life
More than I love you
Down
I don't care
Turn to you (Cover: Melanie C)
Sieh nicht zurück
Mysteryland
Another Exit
Another Life
Pray
Hello Goodbye

Slave (Cover: Grace Jones)
With or without you (Cover: U2)