SCHELMISH "Von Räubern, Lumpen und anderen Schelmen" (Mitelalter)
SCHELMISH "Aequinoctium" (Mitelalter)
(Curzweyhl)

Nach dem im Februar das dritte Album der rheinländischen Mittelalter Combo bei Curzweyhl erschien, sind nun auch die ersten beiden Alben bei diesem Label erhältlich. Überraschend, wenn man ihr Debüt ("von Räubern...") hört, ist die bestechende Qualität der Musik bzw. der Gesänge. Das Erstlingswerk hat einen fast schauspielerischen Charakter, so schlüpfen die einzelnen Stimmen bei "Räubertanz" in verschieden Charaktere und lassen sich von wilden Blas-Instrumenten begleiten. Dem traditionellen Liedgut hat man zwei weitere Strophen geschenkt und mit einem kleinen Tänzlein ummalt. "In Taberna" ist ein Lied aus der "Carmina Burana" und hat vor allen in den Chorälen sakrale Elemente in sich. Mehrstimmiger Gesang wechselt mit Wortreichtum in Minnesang Kultur und verführt uns ins 13. Jahrhundert. Mit über 9 Minuten ist dies das längste Stück und beinhaltet ein hohes Maß an Abwechslung. Etwas schwungvoller geht man bei "All voll" zu Werke, klar, es ist ein Trink und Schlemmerlied. Ein wenig düsteren Seemanns-Charme verbreitet man mit "der schwarze Tod", deren Melodie eine überlieferte Weise ist. Fast lieblich durchdringt ein trauriges Akkordeon die mehrstimmingen Gesänge. Im Original ist der Song unter "Klagelied des Totenschiffs" bekannt, und den Schelmen gelingt es perfekt den Titel in ein musikalisches Gewand zu verfrachten. Ein durchdringender Mitsing-Refrain beinhaltet "Bettelvogt", welches sich in barocker Eleganz in die Gehörgänge wiegt. Die liebliche Polka Variente verblendet ein wenig den tieftraurigen Text, denn hier geht es um ein unrühmliches Ende eines Oberhaupt über die Bettelzunft (beim richtigen Zuhören vergeht allerdings jegliches Mitleid). Man soll weder mit Steinen schmeißen, noch sein Urteil abgeben, aber diese Scheibe gefällt mir besser als das aktuelle Werk. Wer das Review kennt, kann ungefähr erahnen, welche Qualität dieses Album besitzt. Diesen hohen Standard kann auch "Aequinoctium" halten. Das Ganze wird aber mit vehementeren Dudelsäcken nach vorne getrieben. Außerdem hat man den Einsatz von Trommeln noch intensiviert. "Mayenzeit" dürfte, gebe es im Damals Discotheken ein wahrer Tanzflächenrenner gewesen sein. "Susaresca" zeigt eimal mehr warum die Schotten ihren einzigen Krieg gegen England auf Grund der Dudelsäcke gewonnen haben. Energie und Innovation als Waffe, schade das sich vieles geändert hat. Das Album führt musikalisch durch die vier Jahreszeiten und bietet eine Mischung aus unterkühlter Eleganz, sonnendurchfluteter Energie, eine derbe, bunte Welt und die liebevolle Hingabe des Frühlings. Wer die Musik des 12.-17. Jahrhunderts in einer Mischung aus Altertum und modernen Rock- Strukturen (ohne eine Anbiederung an deren Instrumenten) mag, dürfte bei Schelmish mehr als gut aufgehoben sein. Vielleicht die beste Band des Genres. Info: www.schelmish.de oder www.curzweyhl.de (andreas)