SCHANDMAUL "Wie Pech und Schwefel" (MA/Folk Rock) (FAME Recordings/BMG) Diese CD und ich, wir halten zusammen wie Pech und Schwefel, wir leiden, wir tanzen und wir träumen. Du kleine Silberscheibe wirst mein kleines Gerät zum Katalysator für absolut betörende Musik machen. Meine Ohren reichen dir dankend die Hand. Nach der hervorragenden "Narrenkönig" war keine Steigerung zu erwarten. Aber es gibt sie. Nie waren Schandmaul melodischer, verspielter, nie gelang es Thomas seine betörende Stimme derart melodisch in ein wildes Tanzgefüge zu integrieren. Die brachialen Saiten-Attacken in "Tyrann" werden wild von Flöten unterstützt, die Magie entzieht sich die Musik aus betörenden Percussions. Perfekt, wie dieses harte Stück in eine einschmeichelnde Melodie geführt wird, deren betörender Refrain glänzend die Ohrmuscheln umhüllt. Traurig mit Wehmut gefüllt sind die "kalten Spuren". Besonders diese ruhigen Momente lassen einen dahinfliesen. Die Liebe und vor allem deren Verlust sind tragende Säulen der Musik. Man manifestiert die Sehnsucht in hingebungsvollen, leicht von trauerndem Zittern behafteten Gesängen. Gleichwohl ist die liebliche Wohlgemut ständiger Begleiter der Stimmbänder von Thomas Lindner. Der Opener "Leb" ist von einer derartigen Lebenskraft behaftet... ganz einfach könnte es dazu dienen, Menschen, die dezent aus dem Raster der Normalität fallen, in ihrem Tun zu bestärken. "Drachentöter" wird in elegischer Weise von Saiten, Drums und Gesang bestimmt, bevor die Flöte durch Mark und Bein die Szenerie übernimmt und einen betörenden Instrumentalpart einleitet. In "Das Tuch" (wurde bereits im letzten Jahr live gespielt) vermischt man metallene Gitarren mit folkloristischen Passagen. Im Gesamtkontext sicherlich eines der härten Stücke, aber die sphärischen Zwischenspiele sorgen immer wieder für romantische Balladeskität. Inhaltlich geht es um eine schöne Frau, die niemals einer besitzen kann. Schleichend maskulin. Sehr ruhig das balladeske "Stein der Weisen", perfekt der Einsatz der modernen Instrumente. Thomas wird ein Platz gelassen, auf dem er sich eines Propheten gleich präsentieren kann, und es gelingt.... man lauscht seinen Erzählungen. Dazwischen klagende Lieder, die auf dem zweiten Ohr eine Verbindung zu alten Märchen herstellen. Z.B. "Reich der Träume"-Dornröschen. "Klagelied" ist mit einer folkloristischen Schwermut behaftet. Die Depressivität als Zufluchtsort der Manie. Dezent unterstützt wird der Song von weiblichen Backings. Die Narrenkönige verbrennen sich nie ihr Schandmaul, ihre Erzählungen sind Hoffnung, ihre Musik wandelt zwischen altertümlichen Folk Klängen und modernen Rock und ihre Geschichten sind immer ein wenig Realitätsbezogen. Ab April eigentlich ununterbrochen Live unterwegs. www.schandmaul.de (andreas) |