MYK JUNG "Zenith is decline" (Balladesk Dark Wave)
(Endless Records)

Der Fair Sex Sänger MYK JUNG begibt sich mit seinem Solo Album auf ungewöhnliches Terrain, gleichwohl geingt ihm ein wahrer Geniestreich. Das Werk beherbergt neun wunderschön getragene Balladen. Piano, Akustik Gitarre und Streicher bestimmen die musikalisch dichte Atmosphäre, während Myk sein raues Timbre derart gefühlvoll in die Szenerie integriert, dass man von einer Gänsehaut in die nächste spaziert. Die Stücke balancieren zwischen Schwermut, Dunkelheit und Zerbrechlichkeit, sind von ihrer Ausstrahlung her eher minimalistisch auf den Punkt gebracht als opulent ausstaffiert. Von Beginn an nimmt einen dieses Werk gefangen und dient als perfektes Depressivum für Frühlingsgefühle. Mit bedrückender Eleganz schleichen die Songs in Zeitlupe voran, eine aufwühlende Ruhe macht sich breit. Für "a dream of sway" und "vailed" lud Myk seine zehnjährige Tochter ins Studio und liess Sie diese Stücke als Leadsängerin intonieren. Das nenn' ich doch mal produktive Zukunftssicherung.
Den Stücken geht eine faszinierende Morbidität aus, die sich im Einklang mit melancholischer Tiefgründigkeit in Cave'sche Durchdringlichkeit manövriert. Unterstützt werden die getragen Akustik Instrumente von unterschwelligen (teils unterkühlten) Soundscapes, welche dem Gesamtbildnis eine zusätzliche Schwere verleihen.
Myk bringt seine Stimme hier ganz anders zur Geltung, während er sonst aggressiver Shouter ist, glänzt er hier mit einer getragener Rauheit. In seinem erzählerischen Gesang lässt er auch mal das Flüstern markant thronen. Betörend erklingen seine Stimmbänder im romantisch angehauchten "Ten thousands Centuries". Verführerische Melodielinien tragen das wunderschöne "Beyond all". Die sanftmütige Ballade paart sich mit elegischer Soundmalerei. Perfekt die Einführung in den Song, man hat das Gefühl, Myk kommt aus dem Dunklen ins Helle. Eine weiche, weibliche Stimme gesellt sich zum tragischen Duett. Unterbrochen werden die 9 Balladen von harmonischen Zwischenspielen, die gleich dem Buddhismus den Weg zum Zenith ebnen.
Myk unterstreicht einmal mehr seine Vielfältigkeit, die er auch schon als Autor der Parodie "Der Herr der Ohrringe" bewies. Ein intensives Werk, welches bestens für einen gemütlichen Rotwein-Abend zu Zweit passt, Alleine genossen könnte es aber auch in tränenreiche Erinnerungen ausarten. Was solls, die Vergangenheit ist nur eine in die Jahre gekommene Zukunft. Info: www.mykjung.de (andreas)


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