HARRY SCHWARZ "Via Draconis" (MA-Dark Rock)
(Eigenproduktion)

Ein Album im Alleingang zu produzieren, das ist im Mittelalterbereich selten, denn gewisse Instrumente sollten die Szenerie schon garnieren. Harry gelingt es, diese Verschmelzung von Rock und MA solistisch zu bewältigen. Wer jetzt dennoch denkt hier geht es dann in Bereich Liedermacher, wird bereits im punkigen Opener "Aus dem Kerker" eines besseren belehrt. Allerdings gibt es reichlich ruhige, teils verträumte (musikalisch) Songs wie "Geächtet", was in diesem Rahmen durchaus seine Berechtigung hätte.

HARRY SCHWARZ offenbart auf diesem Werk eine geheure Abwechslung. So gibt es teils traditionelles MA, die rockige Variante des Selbigem. Dann auch mal staubtrockene Metalpfade wie in Strophen von "Das Spiel", während er im Refrain Sackpfeifen glänzen lässt oder bedrückende Balladen. Was auffällt und den Unterschied zu vielen Bands dieses Genre ausmacht, sind die Texte, die sich auch mal sozialkritisch oder, wie in "Schmerz", mit einer psychischen Krankheit beschäftigen. Konträr zu einer eingängigen Melodie beschreibt Harry die extremen Auswüchse einer Persönlichkeitsstörung.

"Die Söldner" dient als erzählerische Einleitung in das druckvolle "Via Draconis". Hier gelingt es wunderschön, einen textlichen Spannungsbogen aufzubauen, der von einem eindringlichen Refrain lanciert wird. Überhaupt sind die Texte ein großes Plus, hier wird auf typische MA-Romantik dezent verzichtet und auch martialische Saufsongs sind Harry's Sache nicht. Fast würde man den Künstler als Gefangenen zwischen Altertum und Moderne bezeichnen.

Nach dem energetischen "Der Lauf" folgt das schwermütige "geächtet". Letzteres ist auf fatale Weise in die Aktualität übertragbar. Insgesamt weiß der Song mit seiner traurigen Melodie zu überzeugen, der Text überträgt ein gewisses Gefühl des Mitleids. Harry Schwarz' Texten gelingt es des Öfteren, mal kurz innezukehren, mal kurz nachzudenken. Dergleichen ist auch bei "Das Spiel" gegeben, könnte man hier doch einiges reininterpretieren.

Als eine wunderschöne Ballade entpuppt sich das ruhige "Freitag". Sicherlich wird auch ein wenig der Kitsch berührt, aber irgendwie gelingt es mit spielerischer Leichtigkeit derartige Klippen zu umschiffen, auch wenn die letzte Minute sich etwas dahinzieht. "Sünde" bietet dann wieder traditionellen MA-Rock mit eingängiger Melodielinie.

Als Bonus gibt es noch eine Neuvertonung von "Alle Vöglein sind schon da", welches für einen wohltätigen Zweck aufgenommen wurde. Hier lässt Harry wieder den Punk raus.

Eine absolut empfehlendwerte CD, welche sich zwischen Nachdenklichkeit, Energie und Schwermut eine einige Nische erschafft und Metaller, Rocker, Dark-Punker und Melancholiker gleichermaßen berühren dürfte. www.myspace.com/harryschwarzmusic (andreas)


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