REBENTISCH "Herz zerrissen" (E-Dark Pop)
(Danse Macabre/AFM Music/Alive)

Ja, was soll ich sagen, es gibt nur ganz wenige Künstler im Untergrund, die sich noch auf Authentizität und eigene Identität berufen können. Nicht dass hier musikalisch eine komplett neue Schublade aufgemacht wird. Es ist diese verzweifelte Wahrheit und diese unglaublich persönlichen Texte. Jedes Lied könnte belanglos zum Tanzen auffordern, aber jeder Text wird den Hörer in tiefe Nachdenklichkeit stürzen. Sven's Texte sind nicht dahinpassende Reime, es sind immer messerscharfe Stiche ins Herz und des Öfteren erkundet man verzweifelt das Ziel, damit meine ich, es könnte dein oder mein Herz sein, oder einfach nur Sven's Energiemuskel. Es gibt auf diesem Werk Momente, in denen ist die Musik vollkommen egal, man fesselt sich selbst mit den Worten, mit den Sätzen und mit dem Sinn der Texte. Sven gelingt es mit Worten, Rasierklingen zu bewaffnen, und es gelingt ihm, einen Menschen von Beginn an zu berühren.

Wie wahnsinnig ist dann die tanzbare Komponente. Sven bedient sich dabei sicherlich einer Dummheit der schwarzen Szene, was jetzt nicht despektierlich gemeint ist. Mich lässt er nicht los, dieser Spruch "Trauer ist tanzbar". Ich bin alt und glaube nicht, dass schwarze Seelen lange nachdenken, wenn sie die Tanzfläche entern, da trifft der Spruch zu, aber dieses Werk zuhause gehört, da tanzt keiner mehr. Da sollte jeder nachdenken, denn wenn man genau hinhört, beherbergt jede Zeile einen Hinweis, besteht jede Zeile aus einem Fingerzeig. Sicherlich ist Trauer tanzbar, aber sollten wir nicht mal aus dem Bus der Ignoranz aussteigen und mal wirklich darüber nachdenken, wer wir sind und wofür wir stehen. "Trauer ist tanzbar" erinnert mich an einem Auftritt einer Band beim M'era, da wollte man Bitterkeit beklatschen und tanzen. Ganz im Ernst, ich hab teilweise das Gefühl, dass durch die eingängigen Synthie-Melodie die gesamte Kraft der Aussage, die gesamte Verzweiflung, eigentlich alles Wichtige hinten an steht. Ich hab mal zwischendurch gegoogelt und eine gute Review gefunden (Eine Seite, welche diese Musik nicht unbedingt unterstützt). Ich glaube, dass Sven etwas ganz besonderes geschaffen hat. Und vielleicht ist er das Verbindungsglied zwischen Tanzbarkeit und Ernsthaftigkeit.

Ich könnte jetzt hier enden. Kein Mensch konnte mich bis jetzt mehr berühren, keinen Künstler hab ich diese Verzweiflung abgenommen. Was bleibt ? Ein berührendes Werk voller Tanzbarkeit und Trauer, zu ernst um es zu zertanzen. www.rebentisch.de (andreas)


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